Fußbodenheizung und Dielung – Interview mit einem Hersteller von Massivholzdielen

Kann man Dielen auf Fußbodenheizung verlegen? Falls ja, welche Besonderheiten muss man hier beachten? Wir sprechen in diesem Gastinterview mit Jan Nicklaus dem Geschäftsführer der Havelland Diele, einem regionalen Dielenhersteller, der schon häufiger großformatige Dielen mit dem Fußbodenheizungssystem von Ripal® verlegt hat, über seine Erfahrungen.

Herr Nicklaus können Sie sich kurz vorstellen?

Ja, sehr gern. Mein Name ist Herr Nicklaus ich bin Geschäftsführer der Havelland Diele GmbH. Wir haben uns auf die Produktion von großformatigen Dielen, sogenannte Schlossdielen mit bis zu 650 mm Breite und 13 m Länge, aus regionalem Dielenholz spezialisiert. Hierbei ist es mir nicht nur wichtig, dass am Ende ein toller Holzboden mit ansprechendem Holdzdesign herauskommt. Sondern das Ganze soll auch möglichst nachhaltig und ökologisch passieren, sodass unsere Wälder optimal erhalten bleiben. Als Vater von drei Kindern fühle ich auch eine Verantwortung für die Zukunft der kommenden Generation. Ich wollte ich einen Fußboden herstellen, der mindestens so lang hält bis die Bäume im Wald wieder nachgewachsen sind.  Ebenso ist es für mich ein Herzensanliegen, regionales Holz aus dem Havelland zu verwenden. Ich verstehe bis heute nicht, warum wir immer noch in Größenordnung den Regenwald abholzen, wenn wir über 35 tolle verschiedene Dielenhölzer allein im Havelland zur Verfügung haben. Wer intensiv über unser volkswirtschaftliches System nachdenkt wird schnell dazu kommen, dass Umweltschutz nicht über Verbote funktionieren kann. Auf Dauer werden die Menschen als auch die Unternehmen solche Lösungen ablehnen. Der berühmte Biologe Charles Darvin sagte einmal: „Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand”. Langfristig wird sich die Idee durchsetzen, die eine gute Ökobilanz – als auch Ökonomie aufweisen. So ist es meine Vision, den Menschen zu zeigen: „Hey ihr müsst nicht auf einen schönen Holzboden verzichten und könnt trotzdem etwas für die Umwelt tun”. So entstand die Firma Havelland Diele, bei der wir auch im Zeitalter der Digitalisierung noch auf gutes Handwerk und persönliche Beratung großen Wert legen.

Nun haben Sie in Ihrem Leben schon hunderte Dielenböden mit Fußbodenheizung realisiert. Worauf kommt es hier an?

Erstmal ist die gute Nachricht, dass Dielen und Fußbodenheizung kein Widerspruch sind. Dielen und Fußbodenheizung sind gut miteinander kombinierbar. Allerdings sind schon ein paar Punkte wichtig. Zum einen sollte das Dielenholz beständig gegenüber Temperaturveränderungen sein. Dies ist nicht bei allen Hölzern der Fall. Der Klassiker ist natürlich die Eiche, die über eine gewisse Härte und Zugfestigkeit verfügt. Ebenso geeignet ist hier Lärchenholz, das Holz der Douglasie und Kiefer. Andere Dielenhölzer wie Kirschbaum, Nussbaum oder Birke sind für eine Fußbodenheizung nicht die erste Wahl, weil sie leichter zu Quellen und Schwinden neigen und nicht so viel Feuchtigkeit absorbieren können. Mit dem Stabilisationssystem ist es sogar möglich Dielenhölzer wie Tanne und Fichte, die auf den ersten Blick nicht optimal für die Fußbodenheizung sind, verwenden.

Wie funktioniert dieses Stabilisationssystem?

Die Idee des Stabilisationssystems ist einfach. Man nehme Glasfaserstäbe, die eine höhere Zugfestigkeit als Stahl haben, und montiere diese alle 15 Zentimeter unterhalb der Dielung. Auf diese Weise können die Dielen größeren thermischen Veränderungen noch besser widerstehen und neigen weniger zum Quellen und Schwinden.

Neben dem Holz muss man ja noch andere Dinge beachten. Wie sieht es mit der Verlegung von einem Dielenboden in einer Wohnung im Altbau aus? Kommt es auch auf den Ort an?

Ja, es ist wirklich klasse, dass Sie das ansprechen. Ein Altbau ist immer eine besondere Herausforderung. Hier kommt es häufiger dazu, dass man den alten Dielenboden entfernen und einen neuen Dielenboden auf der alten Holzbalkendecke installieren muss. Möchte man sogar noch eine Fußbodenheizung einbauen, dann braucht man nicht nur handwerkliches Geschick, sondern muss auch das richtige Trockenheizssystem verwenden. Firma Ripal hat hier große Vorteile, da man im Vergleich zu anderen Systemen mit einer geringen Aufbauhöhe und einer geringen Vorlauftemperatur auskommt. Das Ripal®-Heizsystem ist vor allem bei der Sanierung im Altbau oder bei historischen Dielenböden prädestiniert.

Sie setzen ja auch bei anderen Bauvorhaben auf das Ripal®Tockenheizsystem. Wieso haben Sie dich gerade für unser System entschieden?

Die zwei wichtigsten Vorteile habe ich schon genannt, die geringe Aufbauhöhe und die geringe Vorlauftemperatur. In der heutigen Zeit geht es den Menschen, um ein Optimum aus Optik, Ökologie und Praktikabilität. Die geringe Aufbauhöhe ist immer dann gut, wenn es vom Grundriss bzw. den Räumlichkeiten her nicht anders geht. Ebenso kann man die Dielen relativ leicht mit geringem Aufwand direkt auf dem Heizsystem montieren. Die geringe Vorlauftemperatur ermöglicht eine bessere Wärmebilanz. Dies ist natürlich auch entscheidend, wenn der Kunde die Fußbodenheizung auf erneuerbaren Energien wie z. B. Solarthermie aufbauen möchte. Desweiteren sollte eine Fußbodenheizung für eine Verlegefirma praktikabel und nachvollziehbar verlegbar sein. Wir haben hier besonders gute Erfahrung mit dem Ripal®-Heizsystem gemacht und werden daher auch künftig darauf setzen.

Wir hören häufiger, dass Kunden eine große Skepsis haben, dass Dielen mit ihrer geringeren Wärmeleitfähigkeit gegenüber Fliesen überhaupt als Material taugen! Wie sind hier Ihre Erfahrungen?

Klar kann die Holzdiele von der Wärmeleitfähigkeit nicht mit einer Fliese mithalten. Jedoch ist die Diele auch kein Dämmmaterial oder Wärmeisolator. Was wir erleben, ist, dass der Fußboden bei einer Diele eben langsamer warm wird. In der Praxis spielt das jedoch eine untergeordnete Rolle, da man einen Raum ja nicht nur für eine Stunde kurzfristig aufheizen möchten. In der Regel möchten unseren Kunden eine konstante Raumtemperatur und Ihr persönliches Wohlfühlklima erreichen und dies lässt sich mit einer Diele sehr gut umsetzen.

Ein weiterer Punkt ist, dass es natürlich bei einer Fußbodenheizung darauf ankommt, welche Flächengröße Sie beheizen. Es kann mitunter schwieriger sein – ein Bad mit 4 m² Grundfläche zu heizen als ein Wohnzimmer mit 200 m². Im Bad müssen sie häufiger lüften und über eine Fläche von 4 m², Wärme zu erzeugen, ist natürlich gar nicht so einfach! In einigen Fällen brauchen Sie dann sogar zusätzlich Heizsysteme für das Bad, weil sie es mit der Fußbodenheizung nicht realisieren können. Dielen finden in der Regel in Wohnräumen oder größeren Räumen ihre Anwendung und diese Räume sind für eine Fußbodenheizung aufgrund der großen Fläche geradezu ideal. Ebenso hat eine Diele bzw. Dielenholz eine andere Fußwärme. Somit fühlt sich ein Fliesenboden bei gleicher Temperatur immer ein weniger wärmer an als ein Dielenboden. Aus meiner Erfahrung gehören Dielenboden und Fußbodenheizung zusammen und können problemlos kombiniert werden.

Das ist ein schönes Schlusswort. Möchten Sie zum Abschluss des Interviews allen interessierten Menschen noch etwas mitteilen?

Ja, ich möchte noch eine wichtige Botschaft an alle Interessenten los werden. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir gerade mit Holz als Ressource nicht immer gut umgehen. Die Zahl der Bäume auf der Welt sinkt in jeder Sekunde, weil viel mehr Bäume gefällt als gepflanzt werden. Ein Baum braucht auch im Havelland in Deutschland, wo wir unser Dielenholz beziehen, mindestens 60 bis 120 Jahre bis er neu herangewachsen ist. Viele Menschen holen sich heutzutage alle paar Jahre neue und preiswerte Holzmöbel, setzen beim Fußboden auf billiges Klickparkett oder ähnliches, welches in der Regel nur wenige Jahre hält und anschließend Sondermüll ist. Ein Dielenboden hält über 100 Jahre, er kann Generationen überdauern. Er hält lang genug, bis ein neuer Baum wieder herangewachsen ist. Hinsichtlich der Gestaltung ist ein Dielenboden variabel und eine Fußbodenheizung kann bei verschraubter Verlegung auch zu einem späteren Zeitpunkt installiert werden. Ebenso kann die Farbe und das Antlitz auch bei Renovierung durch Ölen, Streichen und Laugen verändert werden. Er ist also nicht für alle Zeit unveränderlich. Mit unserem sogenannten Smartwoodssystem können Sie sogar die typischen Verlegemuster von Parkett und Fliesen mit Minidielen realisieren. Das heißt, wir müssen nicht auf einen schönen Holzboden verzichten, um die Umwelt zu erhalten. Dennoch würde ich mir für die Zukunft unserer Erde wünschen, dass alle Menschen wieder langfristig und nachhaltig investieren mit dem Blick auf die Umwelt statt den Turbokapitalismus und die Wegwerfgesellschaft weiter zu fördern.